Herausforderungen

Gleichberechtigung – sowohl rechtlich als auch faktisch – ist in der Schweiz und im Kanton Freiburg noch lange nicht erreicht. Diskriminierungen sind vielfältig und treten sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich auf. «Care-Arbeit», die oft unbezahlt geleistet wird, wird nach wie vor nicht anerkannt. Das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das eigene Leben wird ignoriert oder infrage gestellt. Zu viele Frauen und Kinder sind weiterhin Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt. Femizide sind leider immer noch Realität. Zu selten werden sexuelle Übergriffe von der Justiz verfolgt. Geschlechtsidentitäten wie Non-Binarität sind rechtlich nicht anerkannt. Menschen mit Beeinträchtigungen sind von vielen Lebensbereichen ausgeschlossen.

In unserem Alltag leben Menschen mit vielfältigen kulturellen Hintergründen und Lebensgeschichten zusammen. Dennoch ist Rassismus tief in unserer Gesellschaft verankert. Rassifizierte Menschen oder solche mit Migrationsgeschichte werden wie Bürger*innen zweiter Klasse behandelt und von rechten Parteien als Sündenböcke für gesellschaftliche Probleme gebraucht. Ohne politische Rechte können sie nicht am demokratischen Prozess teilnehmen. Ihre Aufenthaltsbedingungen sind oft prekär, und ihre soziale Absicherung liegt unter dem Existenzminimum. Es braucht einen ambitionierten und inklusiven antirassistischen Paradigmenwechsel.

Vision

Für die GRÜNEN Freiburg ist klar: Alle Menschen haben die gleichen Rechte und müssen die gleichen Chancen erhalten – unabhängig davon, ob sie zu marginalisierten Gruppen gehören. Eine inklusive Gesellschaft wertschätzt individuelle Lebenswege, Freiheiten und Fähigkeiten. Aktive Gemeinschaftsarbeit stärkt den sozialen Zusammenhalt und die individuelle Resilienz. Als langjährige Vorreiter*innen für Gleichstellung setzen sich die GRÜNEN dafür ein, dass auch Menschen, die nicht dem überrepräsentierten Bild des weissen, bürgerlichen Politikers entsprechen, in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Dafür braucht es klare Aktionspläne und ausreichende Mittel zur Bekämpfung aller Formen von Diskriminierung, Hassverbrechen und Übergriffen. Notwendig sind Statistiken, Sensibilisierung für systemische Unterdrückungsmechanismen ab dem frühen Kindesalter, Schutzmassnahmen für Betroffene sowie nicht-repressive Strafmassnahmen für Täter*innen.

Umsetzungsvorschläge auf kantonaler Ebene

  • Entwicklung und Umsetzung von Präventions- und Bekämpfungsmassnahmen gegen Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Sexualität, Herkunft, Kultur und gegenüber LGBTQIA+-Personen: Identifikation und Monitoring von Diskriminierungen, Sensibilisierung, Schulung.
  • Sicherstellung von Unterstützungs- und Schutzmassnahmen für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt, insbesondere ausreichend Notunterkünfte für Opfer häuslicher Gewalt.
  • Entwicklung eines kantonalen Plans zur Bekämpfung von Feminiziden.
  • Gewährleistung der Freiheit zur Selbstbestimmung und zur freien Lebensgestaltung durch Überwindung von Stereotypen in Familie, Bildung, Berufsleben und öffentlichem Raum.
  • Systematische Umsetzung der Lohngleichheit durch verbindliche Lohnanalysen und -kontrollen.
  • Durchführung von Kampagnen gegen Stereotype – etwa zu Geschlecht, Herkunft und sozialer Klasse – bei der Berufs- und Ausbildungswahl.
  • Gezielte Unterstützung internationaler Kämpfe gegen Diskriminierung, z. B. für die Befreiung Palästinas.
  • Prävention von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch Unterstützung von Fachpersonen, Eltern und durch Stärkung der Selbstbestimmung und Ressourcen der Kinder.
  • Unterstützung von Aktivitäten für Jugendliche, einschliesslich junger Migrant*innen, in den Bereichen Sport und körperliche Aktivitäten, Musik und Gemeinschaftsleben.

Umsetzungsvorschläge auf Gemeindeebene

  • Entwicklung und Unterstützung von Wohn-, Lebens- und Aktivitätsprojekten mit generationenübergreifendem, multikulturellem und solidarischem Ansatz.
  • Prävention gegen Einsamkeit: Aufbau oder Stärkung von Gemeinwesenarbeit und soziokultureller Animation in Städten, Gemeinden oder Quartieren.
  • Förderung konsumfreier Begegnungsorte (z. B. Erweiterung von Bibliotheken um Räume für kulturelle Aktivitäten, soziales Engagement oder Begegnung).
  • Einführung von Labels (z. B. „trans welcome“), die Gemeinden als inklusive Arbeitgeberinnen sichtbar machen.
  • Einführung von Massnahmen zur Förderung von Inklusion und Wohlbefinden am Arbeitsplatz, z. B. Menstruationsurlaub.
  • Erhebung von Statistiken zu Diskriminierungsfällen (Sexismus, Rassismus, Ableismus, LGBTQ-Feindlichkeit usw.).
  • Schulung des Gemeindepersonals zu Diskriminierungsthemen.
  • Für alle den Zugang zu ausserschulischen Betreuungsangeboten verbessern.