Herausforderung

Verschiedene Umweltkrisen wirken sich bereits heute stark auf die wirtschaftliche Entwicklung aus: sinkende Produktivität, Ernteverluste, zunehmende Extremwetterereignisse, steigende Gesundheitskosten und der Verlust der Biodiversität verursachen enorme Kosten. Zwar sind die Anpassungskosten zur Erreichung der Pariser Klimaziele hoch – die Kosten der Untätigkeit sind jedoch noch viel höher. Unser Wirtschaftssystem muss dringend neu gedacht und auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Mehr noch: Der Kapitalismus trägt nicht nur zur Umweltzerstörung bei, sondern verstärkt auch soziale Ungleichheiten. Viele Menschen verdienen nicht genug, um in Würde zu leben – Armut ist auch im Kanton Freiburg Realität. Die Schwächen dieses Systems sind offensichtlich: Abhängigkeit von Importen, unkontrollierter Konsum und das Dogma des BIP-Wachstums. Die Wirtschaftsförderung des Kantons, die einem klassischen Wachstumsparadigma folgt, steht nicht im Einklang mit seinen Klimazielen. Freiburg, mit seiner auf Landwirtschaft und Tourismus basierenden Wirtschaft und exportorientierten Industrie, ist besonders anfällig für Umweltkrisen.

Vision

Die GRÜNEN Freiburg wollen einen langfristig wirksamen Umstrukturierungsprozess anstossen, von dem der Kanton und seine Bevölkerung profitieren. Die Freiburger Wirtschaft orientiert sich konsequent an nachhaltigen, solidarischen, kreislauffähigen und innovativen Produktionssystemen. Dies erfordert eine Neudefinition von Wohlstand, bei der Marktproduktion und Einkommen nicht mehr die einzigen Kriterien sind. Wohlstand wird vom Wachstum entkoppelt. Anstelle dessen, das Bruttoinlandsprodukt zu messen, muss ein neues Wohlstandsverständnis entwickelt werden, das nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische, soziale und gesellschaftliche Entwicklungen berücksichtigt. Der Übergang zu einer postkapitalistischen Wirtschaft, die die planetaren Grenzen respektiert, erfordert eine lokale Koordination von Produktionsketten und Materialflüssen. Dafür müssen geeignete Rahmenbedingungen und Anreize für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen geschaffen werden.

Umsetzungsvorschläge auf kantonaler Ebene

  • Anpassung der Preisgestaltung für Infrastruktur und Energieversorgung zur Förderung von umweltbewusstem Verhalten – sowohl von Unternehmen als auch Privatpersonen.

  • Entwicklung von Zonen mit attraktiver Infrastruktur für die Ansiedlung und Förderung nachhaltiger und solidarischer Unternehmen (z. B. in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Energie, Wohnen, Abfall).

  • Einführung eines Elternurlaubs, der es Eltern ermöglicht, sich gleichberechtigt am Familienleben zu beteiligen.

  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Infrastruktur für Frauen, insbesondere junge Mütter: Förderung flexibler Arbeitsmodelle, Zugang zu Führungspositionen, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kontrolle der Lohngleichheit.

  • Einführung eines kantonalen Mindestlohns.

  • Verbesserung des Zugangs junger Menschen zu beruflichen Laufbahnen, Förderung der Lehre und Einstiegsmöglichkeiten in Unternehmen.

  • Unterstützung bei beruflicher Tätigkeit im Alter und Förderung beruflicher Neuorientierung.

  • Neudefinition von Wohlstandsindikatoren und Wirtschaftsmodellen.

  • Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

  • Förderung von Unternehmen und Vereinen, die Ressourcen sparen, wiederverwenden und gemeinsam nutzen.

  • Einführung eines Rechts auf Reparatur für Konsumgüter.

  • Stärkung des Verursacherprinzips für alle wirtschaftlichen Aktivitäten, die direkt oder indirekt zur Umweltzerstörung beitragen.

  • Stärkung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen und in der Raumplanung: Verlängerung der Lebensdauer bestehender Gebäude, Recycling von Baumaterialien, vielfältige Nutzung des Gebäudebestands.

  • Verbot kommerzieller Werbung im öffentlichen Raum.

  • Einführung von Massnahmen zur Demokratisierung der Wirtschaft, z. B. durch Bürger*innen-Versammlungen zu den Bedürfnissen der Freiburger Bevölkerung.

  • Förderung der Inklusion von Menschen mit einer Behinderung in Unternehmen.

Umsetzungsvorschläge auf Gemeindeebene

  • Vorbildfunktion der Gemeinden bei Einkauf, Investitionen und Projekten; Inwertsetzung bestehender guter Praktiken.

  • Förderung nachhaltiger und lokaler Unternehmen bei Investitionen auf Gemeindeebene.

  • Massnahmen zur Förderung lokaler und verantwortungsvoller Konsumformen – insbesondere durch kurze Lieferketten und lokale Märkte.

  • Unterstützung bei der Einrichtung von Reparaturwerkstätten.

  • Einführung von „Ressourcerien“ (Tauschbörsen für noch brauchbare Gegenstände) in kommunalen Entsorgungsstellen.

  • Pflicht zur Verwendung von wiederverwendbarem Geschirr bei Veranstaltungen und Take-Away-Angeboten.

  • Umsetzung von Massnahmen gegen Littering (z. B. Clean-up-Day, Pfandsysteme, Sensibilisierungskampagnen, abschreckende Massnahmen).

  • Umwandlung von Gemeindeversammlungen in Versammlungen zur Verwaltung gemeinschaftlicher Güter.

  • Anpassung der Abfallbewirtschaftung zur faireren Verteilung der Kosten auf die Verursacher (z. B. Bauabfälle, Sperrgut, kostenpflichtige Haushaltsabfälle).